Die Altrocker von Guru Guru kamen mit einem Sack voller Ideen nach Tübingen

Seit fünf Jahrzehnten spielen die vier Musiker von Guru Guru zusammen. Der Tübinger Auftritt wurde über den Abend immer experimenteller.

Experimentelle Ideen, die durch ihre routinierte Umsetzung wie eine ganz eigene und etablierte Musikrichtung klingen. Davon ist die Musik von „Guru Guru“ durchzogen. Selbst ordnen sich die vier Männer ins Genre „Krautrock“ ein: Eine Spielart des Rocks der 80er Jahre mit vielen elektronischen Klängen, Synthesizer und mystischen Stimmungen, die „Guru Guru“ zum Beispiel mit einem Gong, viel Hall und speziellen Instrumenten wie Tröten erzeugte.

Glockenklare Melodien

Am Freitag war die Band im Sudhaus zu Besuch. Die vier Männer haben in den vergangenen 50 Jahren über 3000 Konzerte miteinander gegeben. In Tübingen spielten sie vor rund 150 Zuschauern. Gleich zu Beginn zeigten die Bandmitglieder ihre Brillanz an den jeweiligen Instrumenten. Ohne große Ansprache stieg „Guru Guru“ direkt mit klassisch rockigen Tönen ein und gab den Mitgliedern Chancen für Soli. Den Einstieg machte Mani Neumeier am Schlagzeug. Roland Schäfer spielte auf seiner Gitarre oft glockenklare Melodien. Verzerrte Töne flocht er nur vereinzelt ein und wechselte öfter zu seinem Zweitinstrument Saxofon. Auch der Synthesizer wurde von Pianist Zeus B. Heldt für interessante Soli eingesetzt. Unterlegt wurde das Ensemble mit dem Bass von Peter Kühmstedt.

Geschickt spitzte die Band ihren Auftritt von Lied zu Lied zu und wurde immer experimenteller. In das Rock-Grundgerüst von „Guru Guru“ wurden internationale Klänge eingebaut. Schäfer sorgte für eine indisch anmutende Atmosphäre mit einer Nadaswaram, einem indischen Blechblasinstrument. „Der Einzige mit der Lizenz zum tröten“, kommentierte Bassist Kühmstedt das Instrument. Schlagzeuger Neumeier baute zusätzlich zu allen musikalischen Brüchen immer wieder komödiantische Einlagen ein. So ließ er zum Beispiel eine Gummischlange zu Schäfers beschwörenden Tönen aus der Nadaswaram tanzen. Grübeln lies er das Publikum über eine kurze Szene in japanischer Kleidung. Mit einem wallenden Gewand stand er am Mikrofon und hielt eine inhaltslose Rede mit erfundenen Worten, die als Parodie auf die japanische Sprache verstanden werden konnten. Unterlegt wurde das Vorgetragene vom Rest der Band mit einer magischen Stimmung. Mystische Atmosphären zu erschaffen gefiel den vier Männern insgesamt gut. In Songs wie „Living in the Woods“ oder „Wonderland“ gab es fast schon psychedelische Intros.

Planet of Love

Auch textlich entführte „Guru Guru“ teilweise in fantastische Welten. In „Space Baby“ beispielsweise wird die Geschichte eines Mannes erzählt, der von einer Alien Frau auf den „Planet of Love“ eingeladen wird. Das Finale nutzte die Band, um sich nochmal kreativ auszutoben. Mit einem großen Sack kam Neumeier an den Rand der Bühne und entleerte den Inhalt direkt vor der ersten Publikumsreihe. Auf dem Boden häuften sich Blechschalen und Töpfe in zufälliger Anordnung. Neumeier kniete dazwischen mit zwei Sticks und trommelte drauf los. Das Publikum war begeistert und wurde direkt mit einbezogen. Für die Zugabe holte die Band den „Elektro Lurch“ auf die Bühne – Neumeier mit einer blinkenden Maske und in einem bunten Gewand. Eingeschweißte Fans schienen auf diesen Moment schon gewartet zu haben. Erst dann konnte das Publikum die Band ziehen lassen.