In Kirchentellinsfurt stimmte das Gremium für Renovierungen an der Schule und Neuanschaffungen für die Feuerwehr.
Viel wichtige Diskussion, aber wenige Beschlüsse prägten die jüngste Sitzungen des Kirchentellinsfurter Gemeinderates am Donnerstag. In Abwesenheit von Bürgermeister Bernd Haug leitete Andreas Heusel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, das Gremium. Durch weitere Ausfälle waren die Reihen im Ratssaal stark ausgedünnt. Mit neun Gemeinderäten blieb die Versammlung aber beschlussfähig.
Suchraumkarten für erneuerbare Energie
Wind- und Solarenergie müssen stark ausgebaut werden, wenn die Klimaziele erreicht werden wollen. Da sind sich die politischen Lager nicht nur auf kommunaler Ebene einig. Diese Einigkeit spiegelt sich im Klimaschutzgesetz des Landes wider. Zwei Prozent der Regionalflächen sollen für Erneuerbare gesichert werden. Welche Flächen in der Region in Frage kommen, das lotet der Regionalverband Neckar-Alb bis 2025 final aus. Wo und wie die freien Flächen letztendlich für erneuerbare Energien tatsächlich genutzt werden können, muss dann in kleinen Gremien in den Kommunen diskutiert werden. Dirk Seidemann, Verbandsdirektor des Regionalverbandes, besuchte den Gemeinderat, um die Möglichkeiten in Kirchentellinsfurt vorzustellen und konkrete Diskussionen zu ermöglichen.
Im Gepäck hatte er zwei Suchraumkarten für Solar- und Windenergie. Die Karten zeigen alle Flächen, die zur Sicherung in Frage kämen. Berücksichtigt und ausgespart wurden dabei Siedlungsgebiete und Mindestabstände zu diesen, Natur- und Artenschutzgebiete sowie Naturdenkmäler und wichtige Agrarflächen. Was bleibt, ist nicht viel: Diese Flächen wurden dann auf Sonneneinstrahlung und Windgegebenheiten geprüft. Was danach übrigbleibt, sind kleine weiße Flecken auf der Karte, über die kommunal unter Berücksichtigung vieler weiterer Belange nachgedacht werden muss. In Kirchentellinsfurt kommt für Windenergie nur eine kleine Fläche nördlich des Einsiedels in Frage. Solarpaneele könnten östlich des Einsiedels und auf einzelnen Flecken östlich des Kirchentellinsfurter Siedlungsgebietes überlegt werden.
Weitere Flächen könnten nur in Absprache mit Landwirten und Agri-Photovoltaik-Methoden genutzt werden – Solarkraft, die die Landwirtschaft möglichst wenig beeinflusst, wie zum Beispiel vertikale Paneele oder höher gesetzte Anlagen. Vom Gremium kamen Anregungen, Flächen über die Planungsgebiete hinaus zu nutzen: Petra Kriegeskorte (SPD) warf die Überlegung ein, Wasserflächen wie den Speicher am Einsiedel oder den Baggersee zu nutzen. Außerdem könne überlegt werden, dass Teile des Neckartalradwegs eine Solarbedachung bekommen könnten. Weitere Einwürfe forderten Solaranlagen auf Dächern und innerörtlichen Kleinflächen. Seidemanns klare Reaktion: „Das eine tun, und das andere nicht lassen.“ Jede Maßnahme über die gesetzlichen 2 Prozent hinaus sei natürlich sinnvoll, und „gerade Unternehmen haben großes Interesse, eigenen grünen Strom zu erzeugen“.
80 000 Euro Umbau an der GES
„Wir müssten 16 Kinder abweisen“, erklärt SPD-Gemeinderat Mathias Kessler und Schulleiter der Graf Eberhard Gesamtschule. Das sei der Fall, wenn vor dem nächsten Schuljahr nicht gehandelt werde. Der Grund sei ein erfreulicher: Hohe Anmeldezahlen und die Beliebtheit der Schule in Kirchentellinsfurt. Außerdem werden die Klassen größer, wenn geflüchtete Kinder am Unterricht teilnehmen. Nötig ist laut Beschlussvorschlag eine Maßnahme im Lernatelierbau für 80 000 Euro. Drei Viertel davon gehen auf die Umstellung zu LED-Beleuchtung. Werden alle Maßnahmen umgesetzt, könne die GES kommendes Schuljahr und das darauf folgende dreizügige Jahrgänge aufnehmen. Danach sei Schluss und alle Kapazitäten der Räumlichkeiten ausgenutzt. Positiv gerechnet finanzierten die 16 extra Kinder den Umbau zum Teil selbst, erklärt Kessler. Die Kommune bekomme jedes Jahr 1330 Euro pro Schüler. 60 Prozent davon gehen an die Gemeinde. Mal 16 und auf sechs Schuljahre gesehen summiert sich die Förderung.
Kritik kam von Heusel: „Wir steuern auf ein riesiges Finanzloch zu.“ Er hinterfragte, ob es nötig sei auszubauen, nur um Schüler aus umliegenden Gemeinden aufnehmen zu können – denn für Kirchentellinsfurter Kinder reichten die Kapazitäten aus. Rückhalt bekam Heusel aus der Kämmerei: „Wir wissen jetzt schon, dass der Haushalt nächstes Jahr nicht genehmigungsfähig sein wird.“ Trotzdem blieb Heusel mit den Bedenken alleine. Werner Rukaber (SPD) erklärte: „Bildung ist eine Grundaufgabe der Gemeinde.“ Der Beschluss wurde mit nur einer Gegenstimme gefasst.
Rettungssatz für die Feuerwehr Ganz ohne Kontroversen verlief der Beschluss zur Beschaffung eines neuen hydraulischen Rettungssatzes der Firma Holmatro für die Feuerwehr für knapp über 36 000 Euro. Das alte Gerät könne noch für rund 12 000 Euro verkauft werden. Es sei wichtig, auf beiden Fahrzeugen der Gemeinde die gleichen Anlagen zu haben, da die Feuerwehrleute nur in einem System geschult werden und Routine essenziell sei, betonte Freie-Wähler-Gemeinderätin Melanie Liebig. Der Beschluss erfolgte einstimmig.