Das Luciana Morelli Quintet spielte am Mittwoch zum Auftakt der Saison im Club Voltaire.
Das Ensemble setzte auf tiefe ruhige Töne, konnte damit aber ganz und gar begeistern.
Jazz-Ensemble geht auch ohne Blechbläser. Und zwar hervorragend, wenn sich Gesang, Bass-Klarinette und Rhythmusinstrumente gegenseitig mit virtuosen Ideen übertrumpfen. Das Ergebnis ist ein dunkler Jazz, der an den richtigen Stellen trotzdem laut und überschlagend werden kann. Zum Auftakt der Jazzsaison des Tübinger Jazzvereins spielte im Club Voltaire am Mittwoch ein junges Multikulti-Ensemble. Das Luciana Morelli Quintett besteht aus Basler Musikern mit Wurzeln, die um die ganze Welt reichen.
Sprachlich abwechslungsreich
Deshalb war der Abend nicht nur musikalisch, sondern auch sprachlich abwechslungsreich. Die meist spanischen Texte in Morellis Kompositionen wurden halb auf Deutsch und halb auf Englisch erläutert und eingeführt. Die Ideen für die Stücke, die sich mit sinnlichen und emotionalen Themen beschäftigten, gründeten zumeist auf genauen, sensiblen Beobachtungen. Die fünf Musiker sezierten Gefühle und Alltagsmomente musikalisch und machten sie für die Zuhörer nachfühlbar. Manchmal sei es laut Morelli beispielsweise von Vorteil im Leben ein wenig resilient und fließend zu sein „wie Wasser“. Pianist Mauricio Silva leitete das zugehörige Stück flüssig ein und schaffte es mühelos, es akustisch zum Leben zu erwecken. Die Band legte nach und Morelli verfeinerte dieses wie viele andere Stücke mit einer angenehm angerauchten, aber klaren Stimme.
Morelli zog nicht zuletzt für die Musik aus Argentinien in die Schweiz. Ein Tapetenwechsel, der bis heute in ihrer Musik verarbeitet wird. Europa und seine freien Reisemöglichkeiten ließen Morelli über Landesgrenzen und ihre Bedeutung sinnieren. Zuerst in einer kleinen Geschichte über verregnete Wälder an der Französisch-Schweiz-Deutschen Grenze und schließlich noch bewegender musikalisch. Auch Geschichten und Familienerzählungen, die Eindruck auf die Sängerin hinterlassen hatten, wurden in der Kunst des Quintetts verarbeitet. Die spanische Sprache störte das Verständnis kaum. Die benötigten Informationen gab Morelli im voraus, der Rest war universell nachempfindbar. Das rollende ‚R‘ und die spanischen Akzentuierungen trugen sogar einen wichtigen Teil dazu bei.
Klassisch und abstrakt
Morellis Kompositionen begannen häufig zunächst sehr klassisch und steigerten sich getragen von ihrem Quintett meist ins Abstraktere. Um Stimmungen und Szenen zu transportieren bedienten sich Morelli und Klarinettist Philipp Hillebrand oft virtuoser Tonfolgen, die über Minuten immer wieder ihre Richtung änderten.
Hillebrand widmete sich den Großteil des Abends seiner Bassklarinette. Zusammen mit Piano, Kontrabass und Schlagzeug setzte er Morellis Stimme gut in Szene. Insgesamt erzeugte die instrumentale Zusammensetzung mit einem Bass-Fokus aber häufig eine sehr ruhige Stimmung. Das eröffnete die Möglichkeit, ganz plötzlich und an den richtigen Stellen mit einigen hohen gesungenen Tönen oder kräftigen, klingenden Akkorden von Silva aus dem Muster auszubrechen. Diese Überraschungen hielten den Abend abwechslungsreich und interessant. Interessant blieb es allerdings auch im Bassschlüssel. Nadav Erlich ersetzte am Kontrabass Snejana Prodanova. Als Gastspieler war er aber nicht herauszuhören. Er fügte sich in das Ensemble ein wie ein langjähriges Mitglied der Band. Insgesamt vermittelte das Quintett eine große Vertrautheit, die Musiker waren stets ganz bei sich aber nie, ohne ein feinfühliges Gespür für die Mitspieler. Gemeinsam trugen sie das Publikum durch einen Abend ganz ohne schrille Töne.