Tübinger Wüste Welle Big Band: Komplexität mit links

Die Tübinger Wüste Welle Big Band spielte am Sonntag im Sudhaus und wartete mit vielen hochkarätigen Solisten aus der süddeutschen Musikszene auf.

Versuche, aus dem Jazz eine exakte Wissenschaft zu machen, gehen häufig schief. Am Sonntag spielte die Tübinger Wüste Welle Big Band im Sudhaus allerdings begeisternd akkurat und verschult, ohne dabei an Leichtigkeit und Verspieltheit zu verlieren – ein schwieriger Spagat, der mit besten Haltungsnoten gelang. Eine wohldurchdachte Setliste aus bedacht geplanten Arrangements setzte sich zu einem in sich runden Jazzabend zusammen.

Empfangen durften die Musiker ihre knapp mehr als 80 Zuschauer in steriler „Studioatmosphäre“, wie der Leiter des Ensembles Lothar Landenberger zu Beginn bemerkte. Er spielte auf den begrenzten Platz im Theatersaal des Sudhauses, gepaart mit den schwarz verhangenen Wänden und einer hell-weißen Beleuchtung an. Landenberger waren auch einige Höhepunkte des Abends zu verdanken – besser gesagt dem Sommerurlaub des Bandleiters, aus dem er neue musikalische Kreationen aus Andalusien mitbrachte. So bat er das Publikum gleich zu Beginn sich nicht zu wundern, „falls Ihnen das nächste Stück spanisch vorkäme“, und zählte seine Band im 5/4-Takt ein. Noch interessanter wurde es nur direkt nach der Pause, als „Strength in Numbers“ im 15/8-Takt anlief – mit Sicherheit eine Herausforderung für die Rhythmusgruppe.

Die Wüste Welle Big Band wartete mit sechs Solisten auf, die sich rotierend stückeweise in Szene setzen oder auch Solos an unterschiedlichen Instrumenten in einzelne Stücke flochten. Allen voran stach die Jazzpianistin Clara Vetter heraus, die auch schon ohne ihre Soli einige Stücke trug. Die Band unterstützte sie für ihr Arrangement von „The Peacocks“. Für ihre Arbeit als Komponistin wurde sie schon mehrfach für den Baden-Württembergischen Jazzpreis nominiert. Einfühlsam wurde Vetter von den Rhythmikern Ralf Gugel am Bass und Alex Neher am Schlagzeug in Szene gesetzt.

Neher führte routiniert durch den Abend und rückte auch die anderen Solisten ins perfekte Licht. So zum Beispiel Max Treutner und Lukas Wögler an den Tenor-Saxofonen sowie Arno Haas und Olaf Schönborn an den Alt-Saxofonen. Alle vier begeisterten mit unverkennbar unterschiedlichen Stilen und Spielweisen. Schönborn bewies herausragende Leichtigkeit und beschwor eine freudige Stimmung in „Sweet Emma“. In gespannte Erwartungshaltung konnte das Publikum jedes Mal verfallen, wenn sich Samuel Restle mit seiner Posaune den Weg aus der Mitte der 17 Musiker nach vorne auf die Bühne ans Mikrofon bahnte. Der junge Musiker wartete mit immer neuen Einfällen auf und wusste die Vielfalt seines Instruments zu nutzen und einzusetzen. Restle bringt drei Jahre Erfahrungen aus dem Bundesjazzorchester, das deutsche Jugendorchester, in das Wüste-Welle-Ensemble ein.

Zum Abschluss drehte Treutner nochmal auf und holte alles aus seinem Tenor-Saxofon heraus. Sein wildes Zugabensolo ließ das Publikum schon beinahe zu aufgeregt zurück, um den Saal nun einfach zu verlassen und bis zum nächsten Auftritt im kommenden Jahr zu warten.