Barocke Klangwelten: Flötist Nova und Cembalist Fornero in der Neuen Aula Tübingen.

Das Stimmengewirr im Festsaal der Neuen Aula legt sich. Die Lichter erlöschen bis auf die zwei Kronleuchter direkt über der Bühne. Die Zeitreise beginnt. Der Saal in dem universitären Gebäude wird ins späte Barock zurückkatapultiert. Und das ganz ohne Zeitmaschine nur mit einer Flöte und einem Cembalo, gespielt von Giuseppe Nova und Maurizio Fornero.

Die beiden Italiener waren dem Tübinger Publikum nicht ganz unbekannt. Vor dem Konzert in der Neuen Aula waren sie schon in Bebenhausen zu Besuch. In Tübingen spielten sie am Sonntagabend Stücke aus dem Barocken 18. Jahrhundert aus verschiedenen Federn.

Den Anfang machte Arcangelo Corelli mit seiner Fassung der Sonate „La Follia“. Das Stück setzt von Beginn an Nova mit seiner Querflöte in Szene. Fröhliche sprunghafte Melodien ziehen sich durch den ersten Satz. Sie werden unterlegt von einem wogenden Cembalo, das wie Wellen in kurzem Takt aufbraust und sich wieder zurücknimmt. Zum Ende des zweiten Satzes wird die Sonate im Barocken Stil nochmal aufbrausender und nimmt ein abruptes Ende.

Johann Sebastian Bachs Sonate für Flöte und Cembalo h-Moll BMV 1030 stammt wohl aus seiner späteren post-barocken Zeit. Das Stück mutet frischer und abwechslungsreicher an als der vorangegangene Corelli. Der erste Satz lässt den Musikern keine Verschnaufpause. Die Tonfolgen überraschen immer wieder und brechen mit dem erwarteten. Im Zeiten Satz geht es etwas ruhiger zu. Eine kurze Pause vor dem letzten – Aus dem Publikum werden einige aufgesparte Huster zwischengeworfen – und dann gibt es kein Halten. Presto durch den letzten Teil der Sonate. Bei aller Routine und Virtuosität ist den Musikern die Freude am Spiel anzusehen.

Nach der Pause steht im Programm Giovanni Benedetto Plattis Sonate für Cembalo Solo c-Moll op. 4. Im ersten Satz lässt sich die Sonate ruhig an. Fornero bewegt gefühlvoll die Tasten der unteren Tastatur. Adagio. Für Satz zwei legt der Musiker die Hebel rechts und links der Tasten um und beide Klaviaturen, die beiden Stockwerke des Instruments, erklingen gemeinsam. Allegro und mit vollem Klang geht es durch den Rest des Stücks.

Die folgenden Sonate f-Moll von Georg Philipp Telemann klingt getragener ins Publikum und nimmt nur am Ende etwas Fahrt auf. Die melodische ruhige Stimmung wird von Antonio Vivaldis „Il Pastor Fido“ im letzten Stück des Programms aufgefangen. Das Publikum klatschte die Musiker zurück auf die Bühne und hörte Johann Sebastian Bach „Siciliana“ als Zugabe. Eine letzte Verbeugung – Saal, Empore, Saal – und die Zeitreise war zu Ende.