Punk-Rock: „Das ist unser letzter Song – Fuck You!“: Die Spermbirds spielen in Reutlingen ein kurzes, aber schweißtreibendes Konzert.
Am Samstag war im franz.K in Reutlingen Hardcore-Punk angesagt. Das Genre wurde in den 1980er-Jahren geprägt von schnellen harten Beats mit lauten Meinungsstarken und teils leicht politischen Texten. Auf der Bühne standen in Reutlingen Bands, die mit dieser Entwicklung groß geworden sind und bis heute ihrem Stil treu bleiben. Mit allen essenziellen Elementen wartet so bereits die Vorband auf. The Snacks heizen für die Spermbirds ein. Die lokale Band hat ihren Proberaum nur wenige Straßen entfernt. „Die Nachbarn“ liefern ab und das wird vom Publikum honoriert. Ohne Zugabe kommen sie nicht von der Bühne. Dann wird der Hauptakt euphorisch empfangen.
Seit vier Jahrzehnten spielen die Spermbirds – mittlerweile in der zweiten Besetzung – zusammen. Die Routine zahlt sich aus: Vom ersten Song an liefern die gealterten Rocker eine energiegeladene Show ab. Strom liegt in der Luft und das franz.K scheint gut zu leiten, denn sofort springt der Funke auf das Publikum über. Vor der Bühne bildet sich ein Moshpit und während sich die Band durch die Setliste arbeitet, steigen immer mehr Menschen mit in den Pogo mit ein.
Auch die Band steht alles andere als still. Während sich die Gitarristen Roger Ingenthron und Steve Wiles mit Bassist Markus Weilemann im Einklang bewegen und auch immer wieder gewaltige, synchrone Sprünge auf der Bühne vollführen, bewegt sich Sänger Lee Hollis eigensinnig und ekstatisch in voller Hingabe zur Musik über die Bühne. Alles wird hinterlegt von den Beats von Schlagzeuger Matthias Götte.
Im Einklang mit dem Publikum
In der Musik der Band steckt viel laute Emotion. Es wird viel Wut vermittelt. Zu jeder Zeit scheint die Band allerdings mit dem Publikum im Einklang. Man versteht sich. So nimmt es auch niemand übel, dass Hollis den Zuschauern einen Mittelfinger nach dem anderen zeigt.
Die „Spermbirds“ spielen viele Lieder aus ihren neueren Produktionen. Darunter „Stronger“, „Go to Hell, then Turn Left“ und „I’m not from here“. Hollis erklärt das ganz einleuchtend: „Viele unserer Songs sind nicht gut gealtert.“ Nicht alle davon können und wollen die fünf Männer heute noch spielen. Bestimmt eine gute Idee, zumal auch ihr Publikum mit der Band gealtert und gewachsen ist. Ein Lied sei aber immer aktuell: „Americans are Cool“ erklingt und die Menge stimmt mit ein.
Nach den ersten Songs sieht man der Band und dem Saal die erste Hälfte schon deutlich an. Im Scheinwerferlicht glänzen die Künstler und Schweißtropfen fliegen angestrahlt durch die Luft. Noch lange kein Grund das Tempo zu drosseln. Die „Spermbirds“ bewegen sich mit gleichbleibender Energie und Geschwindigkeit durch ihren gesamten Auftritt. Genau wie bestellt liefern die „Spermbirds“ alles in allem am Samstag in Reutlingen ab. Zwar nicht länger als eine volle Stunde, – um 22.30 Uhr war der Spuk vorbei – aber dafür mit allem, was die Boxen und die Lunge von Sänger Hollis hergeben. „Das ist unser letzter Song – Fuck You!“, schreit der Punk-Sänger in die Menge und erntet weitere Mittelfinger. Doch die Band wurde vom schwäbischen Publikum alles andere als enttäuscht. Die Energie fließt von und auf die Bühne. Bis zum Ende hielt der wilde Tanz vor den Musikern an. Zur Zugabe gibt es noch einmal einen etwas untypischen Song, „Texas Cowboy“, dann gehen die Musiker ab und lassen die Tanzenden erschöpft zurück.