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Klimastreik in Tübingen: Verkehrswende, aber richtig

In Tübingen sowie deutschlandweit gingen am Freitag Klimaaktivisten, Gewerkschafter und Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr gemeinsam auf die Straße.

Klimaschützer, Gewerkschaften und Sozialverbände, alle verbinden wohl mit der Verkehrswende etwas unterschiedliche Vorstellungen und Forderungen an Politik und Gesellschaft. Gelingen soll ein Umschwung gemeinsam und im Sinne aller. Mit dieser Haltung waren am Freitag Aktivisten, Beschäftigte aus dem öffentlichen Nahverkehr und Gewerkschafter Schulter an Schulter auf der Straße, um für sozial- und klimaverträglichen ÖPNV zu demonstrieren, bei dem Busfahrer und Personal wertgeschätzt und angemessen bezahlt werden.

„Ohne Streik wird sich nichts verändern“, lautete eine Parole der Demonstrierenden, die vom Bahnhof am Nachmittag durch die Innenstadt bis zum Holzmarkt zogen. Laut Polizei folgten dem Zug rund 600 Menschen. Mehr als 800 Teilnehmer verliehen den Forderungen laut Veranstaltern Nachdruck. Nicht mit dabei: die Tübinger Busfahrer selbst. Sie seien nicht im Tarifvertrag Nahverkehr (TV-N) und dürften somit nicht streiken,
erklärte Caro Gruber vom Antikapitalistischen Klimatreffen Tübingen. „Das ist ein Knochenjob“, sagt sie über die Arbeit
im Nahverkehr. „Er müsste es aber nicht sein“, so Gruber gleich zu Beginn der Demonstration am Bahnhof.

Deutschlandweit fanden gestern Klimastreiks unter dem Motto von Fridays for Future statt: „Wir fahren zusammen“. In Tübingen rief das Bündnis „Tübingen fährt voraus“ zur Demonstration auf: Fridays for Future, die Gewerkschaft Verdi, der Jugendgemeinderat, das Antikapitalistische Klimatreffen, Attac, Zak3 und „Ende Gelände“ treten in dem Bündnis gemeinsam auf, um mit vereinten Kräften Forderungen durchzusetzen, hinter denen alle Vereinigungen stehen. Das sind zum einen bessere Arbeitsbedingungen für Bedienstete im ÖPNV, der Ausbau des Nahverkehrs, um klimagerechte Mobilität zu ermöglichen und sozialverträgliche Preise oder einen weitestgehend kostenlosen Nahverkehr.

Dem Zug zum Holzmarkt ging eine Kundgebung am Busbahnhof vor der neuen Fahrradgarage voraus, während dort der normale Busbetrieb weiterlief. Die ein- und ausfahrenden Busfahrer bekamen Applaus von den Demonstranten. Maggie Paal, Mitglied der Bundestarifkommission der Gewerkschaft Verdi und Sprecherin für das Bündnis „Tübingen fährt voraus“, sagte: „Es wächst endlich zusammen, was zusammengehört.“ Sie meint damit die Kräftevereinigung von Aktivisten und Gewerkschaften. Es sei eine große Aufgabe, den „ökologischen Umbau sozialverträglich zu gestalten.“ Außerdem wurde auf die Arbeitsbedingungen der Bus- und Bahnfahrer aufmerksam gemacht. Anne Zerr verdeutlichte in lebhaften Beispielen, wie Bedienstete von Fahrgästen und Politik respektlos behandelt würden.

Schon während der Kundgebung und auf dem Zug zum Holzmarkt hielt die Menge Fahnen und Pappschilder in die Höhe. Die Botschaften reichten von: „Straßen gibt’s genug, mehr Schienen für den Zug“, bis „Klimakampf ist Klassenkampf“. Die gesamte Veranstaltung wurde von der Blasmusik der Formation „Brass Busters“ begleitet. Vor der Stiftskirche fand der zweite Teil der Kundgebung statt. Weitere Redebeiträge hielten die Zuhörer bis zum Schluss auf dem Holzmarkt.

Fabian Everding, Sozialberater beim Tübinger Arbeitslosentreff, sprach über das Sozial-Deutschlandticket für Menschen mit Kreisbonuscard. Ab diesem März soll es für 15 Euro erhältlich sein. Luise Weil von Ende Gelände sprach über Elektromobilität und die weltweiten Auswirkungen der Batterieherstellung. E-Autos seien mit einem funktionierenden Nahverkehr nicht nötig. Und dieser deshalb essenziell, denn: „Noch nie gab es so viele Autos, und noch nie waren sie so schwer.“

Alle Sprecher gemeinsam stehen hinter den Zielen des Bündnis „Tübingen fährt voraus“. Konkret fordert das Bündnis
ein 15-Euro-Ticket für alle und kostenlosen Transport für Schüler, Studenten, Azubis, Rentner und Besitzer einer Kreisbonuscard (Infokasten). Der Zusammenschluss unterschiedlichster Gruppierungen versucht den verschiedenen Stimmen für eine Verkehrswende in Tübingen ein gemeinsames Gesicht zu geben. Unter anderem fordert das Bündnis flächendeckende Tarifverträge, sodass Bedienstete aus den verschiedenen Verbänden bundesweit unter gleichen Bedingungen arbeiteten. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“, formuliert es Paal in ihrer Rede knapp.