To-go-Luxus in der Fußgängerzone

Eine Eiskugel für zwei Euro, Kaffee für vier und Döner für sieben Euro: Auch andere Leckereien, die auf die Hand verkauft werden, werden immer teurer. Händler und Passanten berichten, was das für sie bedeutet.

Die ersten sommerlichen Tage locken auch Touristen in die Tübinger Innenstadt. Am vergangenen Wochenende schlendern zahllose Menschen durch die Gassen und genießen die warmen Temperaturen unter freiem Himmel. Von den Treppen am Holzmarkt aus lassen sich Paare im Gespräch beobachten, genussvoll schlendernde Rentner und Gruppen Jugendlicher in lauter Konversation. Viele von ihnen halten einen Imbiss, einen Kaffee oder ein Eis in den Händen. Der Snack „auf die Hand“ scheint zum Sonntagsbummel dazuzugehören.

Und das trotz stetig und ungewöhnlich schnell steigender Preise gerade für die To-go-Produkte. Seit der Corona-Pandemie wurde die schnelle Leckerei unterwegs weiterhin jede Saison etwas teurer. Eine Kugel Eis etwa kostet mittlerweile 2 Euro und mehr in der Innenstadt. Einen Döner gibt es für über 6 Euro. Bei Falafel ist es ähnlich. Für eine Tasse Kaffee wird an einigen Ecken noch rund 2,50 Euro bezahlt. In besserer Lage sind aber auch 4 Euro keine Seltenheit.

Die meisten Passanten in Tübingen sind sich einig: Mit steigenden Preisen, wird das Eis auf die Hand immer mehr zum Luxus. Ob das jedoch etwas am Kaufverhalten ändert und ob der Luxus sich dann auch seltener gegönnt wird, das wird individuell sehr unterschiedlich entschieden.

Nelli Knatz kommt aus Tübingen und spürt die Preise deutlich. Trotzdem kauft sie sich am vergangenen Freitagnachmittag einen Espresso und ihren Kindern ein Eis: „Das waren plötzlich schon 10,50 Euro. Da habe ich erstmal geschluckt.“ Für sie ändere das auf jeden Fall etwas. Gerade Eis komme eben immer häufiger aus der Tiefkühltruhe im Supermarkt und nicht aus der Eisdiele. Ein Eis in der Waffel werde immer mehr zu etwas Besonderem.

Für Babsi Schifferl war es das schon immer: „Das ist nichts Alltägliches. Da gönnt man sich dann auch mal was“, sagt die Touristin aus der Schweiz und schleckt an ihrer Eiskugel. Das sei unabhängig vom Preis. Sie besucht Tübingen mit ihrem Mann. Im Vergleich zur Heimat des Paares, seien die Preise hier noch in Ordnung und an einem Tag beim Bummeln in Tübingen auch zweitrangig. Zumindest bis zu einer gewissen Grenze: „Bei noch mehr würde ich dann doch verzichten“, gesteht Erich Schifferl.

Auch aus Händlerperspektive haben die Preise zumindest bisher kaum Auswirkungen auf das Kaufverhalten der Kunden. „Ich habe das Gefühl, dass seit Ende der Pandemie viel mehr Touristen nach Tübingen kommen als vorher“, sagt Dimitrios Fassoulakis. Der Inhaber des Cafés Chocolat im Durchgang zwischen Holzmarkt und Rathausplatz verkauft Kaffeeprodukte, süße Teigwaren und Eis an Passanten – meist direkt auf die Hand. Gerade beim Eis erfährt er hohe Akzeptanz für die Preise: „Seit der letzten Erhöhung habe ich eigentlich keine Reklamationen.“

Unzufriedener seien die Kunden zum Beispiel vor ein paar Jahren gewesen, als die Kugel Eis erstmals auf 1,80 Euro anstieg. Die Gründe, dass gerade To-go-Produkte weiter teurer werden, seien in Fassoulakis’ Fall vielfältig. Neben teuren Mieten und den hohen Energiepreisen würden Zulieferer neuerdings Lieferpauschalen verlangen. Ein höherer Mindestlohn erhöht die Personalkosten für Cafés und Eisdielen. Außerdem werden natürlich auch die Rohstoffe teurer: Gerade Pistazien, Kakao und Kaffee seien für den Betrieb ein Thema. Letzten Endes hängen die Preise aber auch von der Konkurrenz ab: „Ich orientiere mich da sehr an den anderen Anbietern“, sagt Fassoulakis.

Wer ein Getränk schnell und auf dem Weg in der Innenstadt möchte, bekommt das beispielsweise an der Straßentheke des Weinhauses Beck. Jamie Nagel steht dort am Tresen und auch er erfährt nur Akzeptanz der Kunden für die Preise. „Es beschwert sich eigentlich niemand. Wir haben die Preise aber auch dieses Jahr nicht erhöht.“ Der Selbstbedienungsverkauf habe den Vorteil, dass die Preise nicht durch Servicekosten erhöht würden.

Studenten, mit einem oft knappen Budget für teures Essen, treffen die Preise natürlich. Alex Ritter läuft mit einem Döner über den Rathausplatz. Für dieses Mittagessen habe er 7 Euro bezahlt. Das gehe mal zur Ausnahme, da der Student zurzeit gar nicht häufig in Tübingen sei. Früher sei die Entscheidung für Fastfood aber leichter gefallen: „Man überlegt es sich mittlerweile zweimal.“

Auch bei den Studenten Arian Heller und Valentin Koch gibt es Mittagessen auf die Hand: asiatische Nudeln. Für die beiden fallen die Preise auf der Straße weniger ins Gewicht als die Preissteigerung für Lebensmittel im Supermarkt. Im Vergleich dazu „sind die Preise auf der Straße angepasst“, findet Koch. Außerdem gebe es mittlerweile auch sehr gute Angebote und bei einigen Läden ganze Menüs zum Mitnehmen. „Die Preise tun weh, aber das ist nun mal überall so“, sagt Heller.

Gabi Disch ist aus der Region um Freiburg zu Besuch in Tübingen. Wenn die Preise steigen, habe das für sie zur Folge, dass sie mehr vergleiche und sich besser überlege, wo sie ihr Geld ausgebe. Außerdem „nimmt man dann eben doch keine zwei Kugeln“, berichtet sie nach einem Eis. Fastfood wie Döner oder Pizza seien ihr aber schon immer zu teuer gewesen.