Im Tübinger KI Maker Space fand am Samstag die Maker Faire statt. Tüftler und Technikliebhaber jeden Alters stellten Bastelprojekte aus. Von 3D-Druck bis Lichtkunst war alles zu sehen.
Selbstgebaute Roboterarme schwenken durch die Luft. Ferngesteuerte Autos bahnen sich ihren Weg zwischen der Füße vieler abgelenkter Technikliebhaber hindurch. Kinder hasten von einem Ausstellungstisch mit Joysticks und Tastaturen zum nächsten mit Legosteinen und Farbwalzen. Wuselig. Das war es auf alle Fälle am vergangenen Samstag im KI Maker Space in Tübingen – Jedoch im anregendsten Sinne.
Um 10 Uhr startete dort die Tübinger Maker Faire. Kurz darauf sind die Räumlichkeiten am Neckarufer voll mit Besuchern. Gegen Mittag gehen die 600 vorgedruckten Einlass-Armbänder zur Neige. Der Tag ist gedacht, um Tüftlern, Kreativen und Technikliebhabern eine Bühne zu geben. Die Aussteller sind vielfältig: Neben Schülergruppen stehen Start-ups und Vereine an ihren Tischen und zeigen alles von 3D-Druck-Projekten, analoge Fotografie, selbst gefräste Gitarrenbausätze bis hin zu pädagogischen Ansätzen, um technisches Denken und Ingenieursmethoden an Kinder zu vermitteln. 26 Aussteller sind gelistet.
„Die Planung für die Maker Faire läuft seit diesem Frühjahr. Wir sind froh, dass so viele Menschen da sind“, sagt Gregor Schulte vom KI Maker Space. Wir, damit meint er sich selbst und Mitorganisatorin Carolin Schmidt. Den Besuchererfolg erklärt sich Schulte durch die Vermarktung über das Maker-Netzwerk. Die Veranstaltung wurde im „Make-Magazin“ angekündigt und das habe es in der Szene ähnlicher Projekte wie dem Tübinger KI Maker Space publik gemacht. „Wir haben Schulen und Aussteller aus Tübingen hier, aber auch einige von außerhalb“, sagt Schulte und deutet mit dem Finger in eine bestimmte Ecke des Raumes.
Dort hat ein Start-up aus Paris eine Rennbahn für Roboter aufgebaut. „Learning Robots“ vermittelt mithilfe einiger kleiner Roboter, wie künstliche Intelligenz funktioniert. Die Roboter werden zunächst trainiert. Je besser der Datensatz, desto sicherer bewegen sie sich am Ende durch ihren Parkour. „KI ist kein Hexenwerk. Das wollen wir rüberbringen“, sagt Malu Schweizer. Das ganze scheint tatsächlich kinderleicht. Zumindest ist der Messestand von einigen Kindern belagert.
Am Tisch des Chaostreffs Tübingen bleiben eher die größeren Besucher hängen. Der Blick bleibt dort an den ausrangierten Anzeigetafeln der Tübinger Bushaltestellen hängen. „Die Anzeigetafeln haben wir von den Stadtwerken bekommen“, erzählt Christian Seiler. Die Stadt habe keine Verwendung mehr dafür, für die Bastler sei es aber nur ein wenig Arbeit und die LED-Anzeigen könnten umgenutzt werden: „Wir wollen sie gerne als ‚Kulturanzeiger‘ an Einrichtungen in Tübingen geben. Man könnte zum Beispiel ein Programm anzeigen lassen.“
Eine wilde Ansammlung an kleinen Projekten liegt verteilt über den Tisch des Tübinger FabLab Vereins. Paul Rosset präsentiert einige Utensilien: selbstgebaute Hilfsmittel für die Küche, 3D-gedruckte Skulpturen oder Dekoartikel. Rund 100 Mitglieder habe der Verein nahe der Tübinger Westspitze. „Dort haben wir sehr viele Werkzeuge und Maschinen, die die Mitglieder für individuelle Projekte nutzen. Zum Beispiel Fräsen und eine Fahrradwerkstatt“, sagt Rosset und hält seine selbst designte LED-Lampe hoch. Ein paar Tische weiter stellt ein weiteres Vereinsmitglied ihre Werke separat aus. Rebecca Fröhlich designt „Beccis Platten“. Selbstgestaltete Motive fräst sie in alte Schallplatten und verkauft diese in kleiner Stückzahl weiter.
Eingebettet ist die Messe in ein Programm aus Vorträgen und Workshops. Führungen durch die Räume des KI Maker Spaces gibt es stündlich. Ein Raum ist reserviert für Anfängerkurse und Profirunden des Sammelkartenspiels „Magic“. Am Nachmittag gibt es Vorträge über künstliche Intelligenz, kreative Methoden und ungewöhnliche Musikproduktionsverfahren. Und in einem kleinen Podcaststudio haben Besucher die Möglichkeit, die Grundlagen zu lernen und ihren ersten Podcast aufzunehmen. Die Maker Faire entlässt ihre Gäste mit zahlreichen Ideen und Anregungen, und zwar zum selber ausprobieren und machen.
Info
Die Maker Faire ist ein Konzept aus der Macherszene und findet vielen Städten und nicht nur in Tübingen statt. Das Konzept ist immer dasselbe: Einen Raum zum Vernetzen schaffen.