Zum Landtagswahlkampf-Auftakt des Linken Tübinger Kreisverbandes sprachen die Spitzenkandidatin Kim Sophie Bohnen aus Heidelberg und Tübinger Landtagskandidatin Katharina Poppei über Wohnen als Menschenrecht.
Wohnen, Gesundheit, Bildung und der öffentliche Personennahverkehr: Mit diesen Themen startet die Linke in Baden-Württemberg in den Wahlkampf für die Landtagswahl im März 2026. Die Partei wird bei den Wahlen voraussichtlich das erste Mal in den Landtag im Ländle einziehen: „Die Linke steht momentan stabil bei sieben Prozent“, verkündete Kim Sophie Bohnen am vergangenen Freitag beim Wahlkampfauftakt in Tübingen und erntete dafür Beifall der Mitglieder. Die Spitzenkandidatin der Linken für den Landtag war aus Heidelberg angereist, um mit dem Tübinger Kreisverband im Hofstüble in der Schmiedtorstraße die Wahlkampfsaison einzuläuten.
„Wir ziehen in den Landtag ein, um zu bleiben“, bekräftigte Bohnen. Gemeinsam mit Katharina Poppei, der Landtagskandidatin für Tübingen, stellte sie vor, wie das gelingen soll. Neue Strategien für die Kommunikation und für das Auftreten als Opposition sollen nachhaltig wirken. Die Linke müsse vor allem nah an den Menschen sein und Politik mit den Wählerinnen und Wählern machen. Deshalb sei die Haustürpolitik so wichtig. Nicht nur im Wahlkampf, über die ganze Legislaturperiode hinweg will die Partei Klingeln putzen, um die Themen der Menschen zu erfahren und ihr Programm und Handeln danach ausrichten. Schon jetzt haben Parteimitglieder über 65.000 Haushalte besucht.
Bohnen engagierte sich viel aktivistisch für Feminismus und Klimaschutzpolitik. Dabei war sie stets auf der Straße unterwegs und im direkten Dialog mit den Leuten. Diese Nähe zur Wählerschaft möchte sie sich für die Karriere im Landtag erhalten. Doch Aktivismus alleine reiche nicht: „Unsere Stimme muss in den Landtag.“ Bohnen ist gelernte Bankkauffrau. Die Zeit am Schalter habe sie politisiert. Zu oft sei sie mit Menschen in verzweifelter finanzieller Lage konfrontiert worden.
Von diesen Erfahrungen berichtete sie vor rund 30 Linken in Tübingen. Bestuhlung an Gruppentischen mit Lebkuchen und Keksen bildete den Rahmen für eine entspannte Runde und lockeren Ideenaustausch. Bohnen und Poppei befanden sich von Anfang an im steten Austausch mit ihrem Publikum.
Die Veranstaltung am Freitag in Tübingen fand unter dem Leitsatz „Wohnen ist ein Menschenrecht“ statt. „Auch in Tübingen haben wir eine riesige Mietenkrise“, sagte Poppei und ging auf den Leerstand im Tübinger Stadtgebiet ein. Könnten diese Wohnungen als sozialer Wohnraum genutzt werden, wäre Tübingen schon einen großen Schritt weiter. Der Kreisverband organisierte bereits im Sommer eine Leerstands-Führung durch die Stadt. Die Führung machte die über 2000 Wohnungen, die bereits seit mehr als zwei Jahren leer stehen, sichtbar und damit das Problem greifbar. Das Problem: „Oft ist es günstiger leer stehen zu lassen, als zu vermieten“, sagt Poppei. Der Grund seien hohe Sanierungskosten. Deshalb sei unter den unbewohnten Gebäuden auch Eigentum von Stadt und Land.
Trotz dieses Zusammenhangs sind aktuelle Förderprojekte oft auf Neubauten und nicht Sanierungen ausgelegt. Häuslebauer würden laut Bohnen zwar unterstützt, doch das seien die wenigsten. Ausbau und Sanierung von Sozialwohnungen sei deshalb nicht im Trend. Kommunen fehle zudem meist die Handhabe, etwas zu unternehmen, da Leerstand schlecht dokumentiert sei. In Tübingen sei das aber im Wohnraumkataster festgehalten.
Ein weiteres großes Thema der Tübinger Linken waren Mietpreise. Die Partei möchte auf Bundesebene einen Mietendeckel durchsetzen. Nur so könne der Vermieter keine horrenden Preiserhöhungen durchsetzen. Gleich nach dieser Erklärung beschwichtigte Bohnen alle Hausbesitzer: „Wer jetzt schon fair vermietet, ist nicht betroffen.“ Gleichzeitig machte die Spitzenkandidatin klar, was ihr Ziel sei: „Mehr soziale Wohnungen müssen wieder in öffentliche Hand.“
Mieter können sich gegen Betrug bei der Höhe der Mietkosten und Mietpreisüberhöhung schützen. In Tübingen unterstützt die Stadtverwaltung dabei mit dem Mietspiegel (Infokasten). „Jeder kann gegen Mietwucher vorgehen“, ermutigte Poppei die Leute, sich bei Bedarf zu wehren.
Die Impulsvorträge von Bohnen und Poppei wechselten sich mit Wortmeldungen und Fragen aus dem Publikum ab. Über den Abend entwickelte sich die Veranstaltung immer mehr zur angeregten Diskussion zwischen den Teilnehmenden und klang in Gesprächen aus.
Infokasten
Mit dem Mietspiegel Tübingen bietet die Stadt Tübingen jedem Mieter die Möglichkeit eine Prüfung auf Mietüberhöhung durchzuführen. Ob im privaten Fall ein Betrug des Vermieters vorliegt, kann ganz einfach mit einem Online-Rechner herausgefunden werden. So gilt in Tübingen beispielsweise die Mietpreisbremse: Bei Abschluss eines neuen Mietverhältnisses darf die ortsübliche Vergleichsmiete um maximal zehn Prozent überschritten werden. In jedem Fall gilt, wird die Vergleichsmiete wegen eines Mangels an Wohnraum um mehr als 20 Prozent überschritten, liegt eine Mietüberhöhung vor. Betroffene bekommen bei der Stadtverwaltung Beratung. Den Mietspiegel gibt es online unter http://www.mietspiegel-tuebingen.de.