Das Theater der Stadt Aalen hatte am Samstag einen Gastauftritt im Zimmertheater Tübingen. „Eschenliebe“ behandelt die Beziehung zwischen einem Mann und seiner großen Liebe – einer Esche am Stadtrand.
Von den Alltagsproblemen der Liebesbeziehung zwischen einem Versicherungsvertreter und einem Baum kommt das Stück „Eschenliebe“ auf die großen Fragen unserer Zeit. Am vergangenen Samstag inszenierte das Theater der Stadt Aalen in einem Gastauftritt im Zimmertheater Tübingen. Autorin Theresia Walser behandelt in ihrem Stück die Liebe, das Streben nach Selbstwirksamkeit und gleich auch noch den Klimawandel alles gemeinsam. Das Theater Aalen bringt das klar und bewegend auf die Bühne.
„Manchmal stehe ich morgens auf und sage in den angerauten Tag: Propellerfrüchte“, erzählt Protagonist Luc Teichmann ergriffen und möchte damit verdeutlichen, wie erfüllend die Liebe zu einem Baum sein kann. Einem Lebewesen im Wandel der Jahreszeiten. In seinem Fall eine Esche am Stadtrand namens Ash. Luc, gespielt von Philipp Dürschmied, verkauft Versicherungen in „einer Welt, die nicht zu versichern ist“. Er fühlt sich von seinen Kollegen nicht verstanden, kaut an der schwierigen Kindheit mit einem empathielosen Vater und sucht seinen Platz in der Gesellschaft. Luc sieht sich selbst als „Amateurhaften Menschendarsteller.“ Jemanden also, der versucht alles richtig zu machen, dabei aber wesentliche Bestandteile des Menschsein verfehlt.
Gleichzeitig beschreibt „Eschenliebe“ wie immer längere und stärkere Hitze – verursacht durch den Klimawandel – Ash zusetzen. Ein globales Problem erzeugt Leid für zwei Liebende, Luc und Ash. Luc versucht verzweifelt entgegenzuwirken: „Kommt ein Mann mit zwei Eimern“, setzt er mehrmals zu einem Witz an, dessen Pointe nie aufgelöst wird. Mit dem Wasser in seinen Eimern versucht er Ash zu retten.
Das ganze Stück handelt vom nächtlichen Gespräch zwischen Luc und Ash. Dürschmied steht über eine Stunde alleine auf der Bühne und erzählt, als Luc, seiner geliebten Esche aus seinem Leben. Dabei wechselt er meisterhaft zwischen aufbrausenden Tiraden, verzweifelter Ratlosigkeit und liebevoller bis sogar erotischer Hingabe zu Ash. Der Ekel vor dem Chef im Versicherungsbüro und die Angst vor der Lüftung seines Liebesgeheimnis macht Dürschmied hervorragend nachempfindbar und ist damit eine grandiose Besetzung für ein Stück über Liebe, Zusammenleben und die Auswirkungen der Klimakrise. Das findet auch Regisseurin Tina Brüggemann: „Was mich zur Auswahl des Stücks bewogen hat, war zu wissen, dass ich es mit Philipp Dürschmied besetzen kann.“ Im Nachgespräch verrät Brüggemann, weshalb sie von Anfang an begeistert von dem Text von Autorin Theresia Walser war. Der Klimawandel sei ein schwieriges Thema, um es auf die Bühne zu bringen. Eschenliebe behandle es elegant, ohne dabei Teile der Zuschauer zu verlieren: „Ich dränge das Thema nicht weg. Es ist präsent, aber es steht nicht im Mittelpunkt. Dort sei hingegen ein ganz gewöhnlicher Mensch positioniert mit seiner sonderbaren Liebe.