Die Abteilung Stadtmitte der Tübinger Feuerwehr öffnete am Sonntag ihre Türen. Viele Familien besuchten das Event mit effektvollen Rettungsübungen und Demonstrationen.
Mit aller Kraft drehen kleine Kinderhände ein Ventil am Hydranten am Feuerwehrhaus in Tübingen auf. Langsam wird der angeschlossene Schlauch Meter für Meter prall und dutzende Augen verfolgen das Wasser in der Leitung bis zur Spritze. Dort steht der nächste kleine Helfer bereit und löscht mit Hilfe eines Feuerwehrmanns einen Brand wenige Meter entfernt. Wenn die Feuerwehr Tübingen ihren Tag der offenen Tür veranstaltet, gibt es für jeden was zum Anpacken. Das familienfreundliche Event lockt mit effektvollen Löschübungen, Führungen und gespielten Rettungsszenarien.
Dafür ist die Freiwillige Feuerwehr professionell ausgestattet: Aus einem Edelstahlpapierkorb schlagen hohe Flammen eines Gasbrenners. Mit dem Stahlkasten kann selbst von den allerjüngsten Besuchern geübt werden, wie ein Mülleimerbrand gelöscht wird. Doch auch die Profis haben Spaß an den Übungen. „Achtung, Ohren zu, jetzt wird’s laut“, sagt ein Mann in voller Ausrüstung, bevor er eine Haarspraydose in einem Käfig entzündet.

“Die Gelder für unsere Maschinen und Ausrüstung und unsere Arbeit kommen zu einem Großteil von der Stadt. Da wollen wir den Leuten auch gerne präsentieren, was wir damit machen“, sagt Jonas Wolf von der Freiwilligen Feuerwehr Tübingen stolz. Er hat den Überblick über Vorbereitung auf und Ablauf am Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr in der Stadtmitte an der Kelternstraße. Bereits am Vormittag sind mehrere hundert Menschen vor Ort. Über den Tag verteilt erwarte die Feuerwehr weit über 1000 Gäste, so Wolf. Um das zu stemmen, brauche es viele helfende Hände. Doch das sei kein Problem: Von den 99 Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr seien am Sonntag fast alle dabei gewesen. Zusätzlich seien viele Ehepartner und Familien im Einsatz. Für die Bewirtung und Materialien für die Demonstrationsvorführungen wurden sie alle erfinderisch. „Das Sofa aus der Wohnungsbrand-Schauübung ist ein altes von mir. Das habe ich gespendet“, sagt Wolf.
Während der Übung demonstrieren die Feuerwehrleute den Einsatz mit Atemschutzgerät und das Vorgehen in einer verrauchten Wohnung. Mit Sicherheitsabstand verfolgen zahlreiche Kinderaugen die Übung, die Schritt für Schritt mit dem Mikrofon kommentiert wird. Die beiden Feuerwehrleute ziehen nach der Übung ihre Masken aus und beantworten lächelnd Fragen. Denn das Wichtigste sei an einem solchen Tag, gerade für Kinder, nahbar zu sein. Das erzählt Jan Gehring. Er führt am Vormittag Kinder mit ihren Eltern um und durch eines der ausgestellten Löschfahrzeuge. Gehring erklärt den Ablauf eines Einsatzes von der Alarmierung durch den Pieper am Gürtel bis zu dem Moment, wenn 60 Liter Wasser pro Minute durch den Schlauch rauschen.
Seine Führung findet in beeindruckender Kulisse statt. Auf dem Platz beim Feuerwehrhaus stehen alle Fahrzeuge der Tübinger. Die aktuellen mit aufgefahrener Drehleiter und dazwischen einige Oldtimer mit Holzleitern auf dem Dach. Überall sind Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, um Kinder in die Fahrzeuge sitzen zu lassen, Fragen zu beantworten und ihre Werkzeuge zu präsentieren. Ein Container zieht besonders viele Menschen an. Durch einige Scheiben ist das wassergefüllte Innere zu sehen. Regelmäßig steigen Luftblasen auf. Die Blasen stammen aus dem Atemregler eines Tauchers, der in dem Metallkasten die Arbeit unter Wasser demonstriert. Er öffnet und schließt große Schrauben und hantiert mit unterschiedlichen Werkzeugen, während der Taucher von außen bestaunt wird.
Teil des Tages der offenen Tür ist das Bevölkerungsschutz-Mobil. Hier präsentieren auch andere Institutionen wie Rettungsdienste und das Technische Hilfswerk ihre Arbeit. Sie nutzen die Begeisterung der Besucher. „Hier sollen alle gemeinsam nach außen auftreten“, sagt Johannes Schuh vom THW-Ortsverband Tübingen. Das mobile Infozentrum setzt auf digitale Übungen und Virtual-Reality-Brillen.

Doch die spektakulären Präsentationen der Feuerwehr stehen im Vordergrund. Mit schwerem Gerät wird eine Bergung aus einem Unfallauto simuliert. Der hydraulische Spreizer verbiegt die Blechtüre wie Spielzeug und zerlegt das Demonstrationsfahrzeug, bis schließlich das ganze Dach zurückgeklappt werden kann. Mit einer speziellen Säge schneiden die Feuerwehrleute mühelos durch Fensterscheiben. Nach wenigen Minuten hätten die Profis jede Person aus dem zerbeulten Frack geborgen. „Wir haben sechs komplette solcher Rettungssätze und rüsten immer wieder nach, wenn sich die Autotechnologie weiterentwickelt“, erklärt Thomas Löhr, Moderator der Übung, während hunderte staunende Augen auf das Geschehen auf der abgesperrten Straße blicken.
Infokasten
Die Feuerwehr in Tübingen hat zwei kleine Einsatzfahrzeuge. Die Mannschaft auf so einem Fahrzeug ist gut koordiniert und jeder bekommt eine Aufgabe, seinen Qualifikationen entsprechend. Der Fahrzeugführer ist an einer blauen Weste von allen erkennbar. Der Zugführer in der grünen Weste koordiniert mehrere Fahrzeuge. Der Einsatzleiter trägt Gelb. Er hat die Verantwortung für den ganzen Einsatz.