In Tübingen demonstrierten am 8. Mai, 81 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, linke Gruppen. Sie erinnerten an die Opfer des Dritten Reichs und mahnten in Anbetracht aktueller politischer Entwicklungen auf der Welt.
Während täglich Neuigkeiten aus Kriegen mit russischer, US-amerikanischer und europäischer Beteiligung die Nachrichten prägen, feierten linke und antifaschistische Gruppen in Tübingen am vergangenen Freitagabend den Frieden. Auf dem Holzmarkt veranstalteten die ‚Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten‘ (VVN-BDA) und das ‚Offene Treffen gegen Faschismus und Rassismus‘ (OTFR) mit der Hilfe vieler weiterer Gruppen eine Kundgebung mit Reden, Musik und Infomaterialien. Der Anlass war das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 81 Jahren am 8. Mai 1945.
Die Redebeiträge, die von den Stufen vor der Stiftskirche für die rund 120 Zuhörenden gesprochen wurden, gedachten der Opfer des Krieges und der Vernichtungslager der Nationalsozialisten im Dritten Reich. Gisela Kehrer-Bleicher sprach als erste Rednerin für die VVN-BDA. Nach dem Kriegende und einem jahrzehntelangen Frieden in Europa, ändere sich die Sprache aktuell wieder: „Heute soll Deutschland wieder kriegstüchtig werden.“ Diese Aufrüstung gehe mit einem Sozialabbau einher. Ein Sprecher für das OTFR bekräftigte: Während Geld für Waffen und Modernisierung der Armee ausgegeben werde, „wird an allen anderen Ecken und Enden gekürzt.“ Bildung, Medizin und Sozialwesen leiden. In die Bundeswehr wird investiert.
Zwischen den Reden sang der Chor des Linken Zentrums Trude Lutz und begann mit „Bella Ciao“.
Ein Gedenktag wie der 8. Mai sei auch für die Zukunft wichtig, um „das Wissen über den Weg in den deutschen Faschismus an die nächste Generation weiterzugeben“, sagte Jannik Renz für die VVN-BDA und forderte: „Der 8. Mai muss Feiertag werden.“ Dafür erntete er Applaus.
Auch Ismayil Arslan sprach für den DGB Kreisverband Tübingen über das Kriegsende und kam dann aber zu den internationalen Beziehungen zu Russland bis heute. Dabei diskutierte er die Rolle der USA kritisch und gab dem Westen eine Mitschuld am Krieg in der Ukraine: „Wahrscheinlich wäre es aktuell möglich, den Krieg durch Verhandlungen zu beenden.“
Die Kundgebung verlief sehr ruhig. Nur nach dem letzten Beitrag des OTFR riefen alle gemeinsam: „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft.“ Im Anschluss trafen sich die Beteiligten für ein Gedenkfest hinter der Stiftskirche.