In einem der größten zusammenhängenden Wälder Süddeutschlands haben Umweltaktivisten mit zahlreichen Baumhäusern eine Fläche besetzt, die für den Kiesabbau gerodet werden soll. Trotz des ungewissen Ausgangs harren die Protestierenden im Winter bei Eis und Schnee aus. Ihnen geht es um mehr als den Wald.
Mitten im Altdorfer Wald bei Ravensburg steigt Mitte Januar eine Rauchsäule empor. Ihr entgegen fallen dicke Schneeflocken durch die Fichten und bedecken den Waldboden mit einer mehrere Zentimeter starken weißen Schicht. In den meisten Teilen des Waldes wird der frische Schnee nur von Fuchs- und Rehspuren unterbrochen. Auf einer Fläche bei Grund hält ein alter Holzofen allerdings eine Handvoll menschlicher Waldbewohner warm. Aus diesem Ofen dringt beharrlich der Rauch – und hier lodert auch ein Protest der nun seit fünf Jahren anhält.

Der alte, holzbeheizte Küchenherd steht nicht nur mitten im Wald, er schwebt circa fünf Meter über dem Boden. Der Kampf gegen die Abholzung des Waldes scheint den Aktivisten, die sich an der ausdauernden Flamme wärmen, Flügel zu verleihen. Viele von ihnen bleiben am liebsten anonym, der 22-jährige Samuel Bosch hingegen tritt regelmäßig in die Öffentlichkeit: Vor die Presse und während aufmerksamkeitserregender Aktionen vor Kameras: „Diese Besetzung hat nur in Kombination mit weiteren Veranstaltungen und einem wachsenden Netzwerk ihre geballte Wirkung“, ist er sich sicher. Mittlerweile haben die Aktivisten über 20 Baumhäuser gebaut. Weit verteilt im Wald. Manche dauerhaft, manche unregelmäßig bewohnt. Eines davon ist ein ausgedienter Wohnwagen, der mit Kettenzügen durch den Wald und in die Höhe gehievt wurde. Die Bauten tragen Namen wie „Bermuda-Dreieck“, „Arche Noah“ und „Rojava“. Das Baumhaus, in dem der Ofen steht, musste sich mit dem einfachen Namen „Küche“ begnügen. Dafür ist es jetzt vor allem in den kalten Wintermonaten der soziale Treffpunkt in der Waldbesetzung. Die Wärme lockt die Aktivisten genauso wie Mäuse an, die über den Boden und durch die Regale huschen. Gut verpackte Lebensmittel, zahlreiche Bücher, Instrumente, Werkzeuge und Brennholz liegen und stehen überall herum. Es riecht nach Holz, klammem Stoff und kaltem Essen. Langsam schwankt der Mittelpunkt des Protest an den Seilen hin und her, mit denen die Küche an vier Fichten hängt.
Der Altdorfer Wald wächst auf Kies aus einem Gletscher
Die Bäume sind nicht zufällig gewählt. Sie wurden von den Protestierenden besetzt, damit sie nicht gefällt werden können. An dem Hanggrundstück – bewachsen mit Fichten, Buchen, Ahorn und Erlen – soll nämlich eine Kiesgrube entstehen. Die Firma Meichle und Mohr plant Erweiterungen bestehender Gruben und eine ganz neue Förderstelle am Ort der Waldbesetzung.

Der Konflikt reicht tief – quasi bis in die Erdgeschichte: Die Geologie des Altdorfer Forsts ist geprägt von Gletschern der letzten Eiszeit. Der Hauptkamm, Kerngebiet des Waldes, ist das Relikt einer Moräne. Hier hat der Gletscher Gestein aufgeschoben und abgelagert. Die Kiesel wurden von den Eismassen zerkleinert und rund geschliffen. Für die Bauindustrie ist das ein wichtiger Rohstoff. Kies wird für Beton und Zement benötigt. Er ist der Unterbau für unsere Straßen.
Über die Jahrtausende hat sich die Natur den Berg aus Kies zurückerobert. Langsam und Jahr für Jahr wuchs der Mutterboden heran, der heute das Fundament für den Wald bildet. Der heutige Baumbestand ist kein Urwald, sondern geprägt von der Holzwirtschaft. Im Verlauf der letzten Jahrhunderte wurde kontinuierlich Holz entnommen und wieder aufgeforstet. Der große Unterschied zum Kiesabbau ist jedoch, dass der Waldboden weit weniger beeinträchtigt wird.
Ein Kampf für den Wald – Aber auch für eine Bauwende
Die Zerstörung des Mutterbodens ist ein wichtiger Punkt für die Aktivisten. Das Kiesabbauunternehmen Meichle und Mohr verweist hingegen auf einer Informations-Homepage für das Vorhaben bei Grund auf geplante Renaturierungen und Rekultivierungen und betont Chancen für seltene Arten. Die Gegner des Kiesabbaus sehen die Grundwasservorkommen gefährdet. Es werde genug Abstand zu Wasserschutzgebieten eingehalten, sagen die Kieser. Im Altdorfer Forst werde mehr Kies gefördert, als in der Region benötigt und der Bedarf an Kies und Sand für die Bauindustrie müsse gesenkt werden, legen die Umweltaktivisten in verschiedenen Schreiben dar. Abbaufirmen beteuern, die Förderung decke lediglich die Nachfrage und sei essentiell für unsere Gesellschaft und Infrastruktur.

Die Argumente sind zahlreich und im Detail vielschichtig und kompliziert. Sie werden an der direkten Konfliktlinie im Wald ausgetauscht. Schnell entsteht das Bild eines ungleichen Kampfes der Aktivisten in spärlichen Hütten gegen eine profitgierige Industrie. Das brachte den Besetzer viel Sympathie und Unterstützung in der Bevölkerung im Umland ein. Tatsächlich geht der Konflikt aber über die Interessen im Altdorfer Wald hinaus. Der eigentliche Protest richtet sich gegen politische Strukturen. Nachgefragt, formulieren es die Aktivisten auch so: „Für eine Klimawende müssen wir den Bedarf an Kies und Zement reduzieren. Wir brauchen eine Bauwende“, sagt Samuel. Deshalb sieht er sich und die Besetzung als Teil einer Bewegung. Sie fordern politische Weichenstellungen für Holzbau und klimafreundliche Alternativen. Sie kritisieren zum Beispiel den Regionalplan, der weiterhin Flächen für den Kiesabbau oder Versiegelung ausweist. Der Kiesabbau im „Alti“ sei ein Symptom anderer Probleme im System. Das lässt sie selbst bei eisigen Temperaturen weiter durchhalten in ihren Baumhäusern als Schutzraum und Schutzschild für den Wald vor den Maschinen der Kiesindustrie.
Wohnen wie im Kühlschrank
Doch so einfach ist das Wohnen im Wald im Winter gar nicht. Hoffnungsvoll dreht Samuel am Wasserhahn eines gefüllten Tanks mit 500 Litern Frischwasser. Der Inhalt ist immer noch gefroren. Da bleibt nur Schneeschmelzen oder Wasser in Kanistern über Kilometer in den Wald tragen. Samuel sieht es positiv: „Bei einem Spaziergang wird es wenigstens warm.“ Auch Nahrungsmittel und Holz zum Heizen müssen die Aktivisten oft zu Fuß in den Wald transportieren, oder Unterstützer aus umliegenden Dörfern bringen Altholz, Gemüse oder Kartoffeln.
Der Rest wird containert: Nachts klappern die Aktivisten die Mülltonnen von Supermärkten und Lebensmittelgeschäften ab und nehmen mit, was noch verwertbar ist. „Ich komme mit 100 Euro im Monat aus. Die sind dann hauptsächlich für Verkehrsmittel und manchmal einen Döner“, erzählt Samuel. Die ganze Baumhaussiedlung besteht aus wiederverwerteten und recycelten Materialien. Kaputte Gebrauchsgegenstände werden repariert oder funktional an die Bedürfnisse der Gemeinschaft angepasst.
„Hab ich Ruß im Gesicht?“
Dabei bilden sich im Wald ganz nebenbei Amateur-Tischler, -Zimmerleute, -Gärtner und -Werkzeughersteller selbständig aus. Samuel zieht stolz einen zerbeulten Topf aus dem selbstgebauten Küchenregal: „Den Griff habe ich selber geschmiedet und angeschweißt.“ Später am Tag versucht sich der Aktivist gleich auch noch als Schornsteinfeger. Während es kontinuierlich weiter schneit, seilt er sich am Küchenbaumhaus ab, demontiert das Ofenrohr und beseitigt Ruß und Ablagerungen.

„Die Vielfalt der Aufgaben hier im Wald fasziniert mich. Man lernt viel und das bringt nicht nur die Gemeinschaft, sondern auch mich persönlich weiter“, beschreibt Samuel eine weitere Quelle für seine Motivation. Die ist seit fünf Jahren ungebrochen. Samuel hoffte, wie alle Menschen im Wald, auf den Erfolg ihrer Besetzung. Das er weitermache, hänge aber nicht davon ab: „Entweder wir stoppen die Kiesgrube, oder ich werde hier rausgetragen.“ Bis dahin lohne sich jede Sekunde im Wald für den jungen Mann. Hier hat er schon viel Lebenszeit verbracht.
Wer sind die Menschen im Wald?
Samuel zog mit 18 Jahren in den Altdorfer Wald und brach damals für den Klimaaktivismus sein Abitur ab. Schon vorher, während seiner Schulzeit, beteiligte er sich an unterschiedlichen Protestaktionen. Die erste Räumung aus einem Baumhaus durch die Polizei erlebte er in Ravensburg: „Ich habe immer gewartet, bis die Hebebühne aufgebaut war, und bin dann am Seil in einen anderen Bereich traversiert.“ Die Aktivisten seien Polizeieinsatz und rechtliche Verfolgung für selbst kleine Protestaktionen mittlerweile gewohnt. 2022 hängte Samuel zusammen mit zwei Mitstreiter ein Banner am Gebäude der Regierung von Schwaben in Augsburg. Die Aufschrift: „Lohwald-Rodung trotz laufender Gerichtsverfahren? Frech!“. Die Strafe durch das Landgericht: Drei Wochen Jugendgefängnis. Später erklärte das Verfassungsgericht das Urteil jedoch rechtswidrig. Samuel machte das Verfahren, seinen Umgang damit und die Bedeutung für den Klimaaktivismus damals öffentlich. Widerstand von Behörden verdeutliche für ihn, wie wichtig ihr Protest sei.
Die Waldbesetzer im Altdorfer Forst sind bunt zusammengewürfelt. In den Baumhäusern treffen Aktivisten jeden Alters und aus ganz Deutschland zusammen. Einige reisen von Besetzung zu Besetzung. Andere leben seit Jahrzehnten in der direkten Umgebung des Altdorfer Walds und kämpfen hier für ein Stück Natur vor der Haustüre. Die Motivationen sind unterschiedlich: Gelebter aktivistischer Umweltschutz, die Mitgestaltung und Festigung einer Klimabewegung über den ‚Alti‘ hinaus oder persönliche Entfaltung in der freien Gemeinschaft im Wald.
Freiheit statt Komfort
Dafür geben sie Komfort auf. Seit vergangenem Jahr gibt es zwar in wenigen Hütten Strom aus provisorisch verkabelten Kästchen von mehreren Solarpanelen, doch solange die Module mit Schnee bedeckt sind, bleibt es dunkel. Die Einrichtung der Baumhäuser ist spärlich: In der Ecke ein Bett aus Palettenholz. Ein kleines Regal. Das war’s. „Im Falle einer Räumung würden wir ja nur alles verlieren“, erklärt Samuel. Mit Bemalungen und geschriebenen Sprüchen und Gedichten an den Holzwänden wurde dafür nicht gespart. Die Dielen lesen sich wie ein Gästebuch oder Poesiealbum der vergangenen Bewohner.

Die Kunstwerke hängen in bis zu mehr als 20 Metern Höhe über dem Boden. Die Plattformen werden aus Stämmen toter Fichten aus dem Wald gebaut und dann mit Seilen an den Bäumen aufgehängt. Um die richtigen Knoten und sichere Bauweisen zu lernen und das Wissen weiterzugeben, gibt es regelmäßigen Austausch und ‚Skill-Shares‘ zwischen den Bewohnern unterschiedlicher Besetzungen in Deutschland. In den meisten Fällen führt der einzige Weg nach oben über ein festinstalliertes Kletterseil. Durch den Frost ist das Seil ganz starr. Die Finger frieren sofort ein, sobald sie sich um die Fasern legen. Vor dem Aufstieg wird der Schnee abgeschüttelt. Dann geht es aufwärts. Das sogenannte ‚Raupen‘ am Seil nach oben ist die wichtigste Klettertechnik im Wald. Als Hilfsmittel reichen dafür ein Klettergurt und zwei kurze Schlingen aus Rebschnur. Eine Schlinge dient der Sicherung. Die zweite wird als Tritt genutzt und so geht es mit wechselnder Be- und Entlastung am Seil empor.
Die meisten Baumhäuser sind miteinander und mit vielen weiteren Bäumen und kleinen Plattformen über gespannte Seile verbunden. Über diese Brücken kommen die Besetzer durch den Wald, ohne einen Fuß auf den Boden setzen zu müssen. Auch das sind Vorbereitungen auf eine mögliche Räumungsaktion der Polizei.
Seit fünf Jahren steht die Entscheidung über den Kiesabbau bei Grund nun aus. Doch die Aktivisten rechnen damit, dass in naher Zukunft Bewegung in die Verhandlungen kommen könnte. Grund dafür ist unter anderem die Klage der Gemeinden Baienfurt und Baindt gegen den Regionalplan, der den Wald als Vorranggebiet für den Kiesabbau ausweist (Infokasten). Die Gemeinden haben Angst um die Qualität des Grundwassers, das die Bewohner mit Trinkwasser versorgt.
Vom besetzten Wald zum Kulturzentrum
Um solchen Widerstand gegen den Kiesabbau aus der Verwaltung zu unterstützen, versuchen die Waldbesetzer, Öffentlichkeit für das Thema zu schaffen und so viele Menschen in der Region wie möglich zu erreichen. Über Pressearbeit, Kundgebungen und aufgehängte Banner, aber auch Informations- und Abendveranstaltungen direkt im Wald. Die „Küche“ ist mittlerweile zum Kulturzentrum geworden. Dort steht ein Klavier und es finden Lesungen, Konzerte, Workshops und Sachvorträge statt. So kommen Menschen oft zum ersten Mal mit der Besetzung in Kontakt. Den Besucherrekord bescherte ein „Ton, Steine, Scherben“-Konzert mit mehreren hundert Menschen. Dabei sei der Eintritt immer frei. Alle sind gleichberechtigt im Wald.

Im Wald gibt es keinen Besitz
Das gelte auch für die Aktivisten, die längere Zeit in der Waldbesetzung bleiben. Bis auf wenige private Gegenstände ist in den Baumhäusern alles Allgemeingut und kann von allen genutzt werden. Das funktioniere in den meisten Fällen sehr gut: „Falls es mal Probleme gibt, muss man eben darüber reden“, sagt Samuel. Im Wald gebe es keine Rangordnung, Regeln oder Pflichten. Ein wertschätzendes, harmonisches Miteinander vorzuleben, gehöre auch zu den Ansprüchen der Aktivisten.
Am Ende des Abends verteilen sich die Waldbesetzer schließlich auf die unterschiedlichen Baumhäuser. Sie suchen ein wenig Privatsphäre in einer Umgebung, in der alles allen gehört. Dafür verlassen sie den wärmenden Ofen und verbringen eine weitere eisige Nacht im verschneiten Wald. Mit gefüllten Mägen, aber eingefrorenen Fingern klettern sie in ihre Behausungen, damit hier auch in Zukunft Schneeflocken durch die Wipfel fallen können.

Waldbesetzungen in Deutschland: Protestform mit Tradition
Waldbesetzungen werden immer häufiger Mittel des Klimaprotests. Einige Besetzungen zogen sich über Jahre, andere endeten nach Stunden. Einige Besetzungen haben Erfolg und verhindern Rodungen oder Bauvorhaben, die meisten werden allerdings irgendwann geräumt. Aufmerksamkeit erzeugen sie dennoch alle und stoßen politische Debatten an.
1969: “The Battle of Waller Creek“ in Austin in Texas
Eine der ersten dokumentierten Baumbesetzung ging in die Geschichte ein und machte Schlagzeilen. Studierende erkletterten Zypressen in Austin vor der Universität von Texas, um deren Fällung zu verhindern. Die Besetzung wurde noch am selben Nachmittag geräumt und die Bäume gefällt.
1980: Proteste gegen die Frankfurter Startbahn West
Während dem Widerstand gegen die Startbahn West am Frankfurter Flughafen wurden auch in Deutschland erstmals strategisch Bäume erklettert, um deren Fällung zu verhindern. Im Mittelpunkt standen damals allerdings andere Formen des Protests.
1996: Baumhüttendorf gegen Ausbau der B31 Ost in Freiburg
In Freiburg wurden vier Baumhäuser errichtet und verbunden. Die Hütten hatten ein Büro und Strom aus Solarpanelen. Die Aktivisten lebten nun tatsächlich in den Bäumen und nutzten die Besetzung als zentralen Protest. Die Polizei räumte 40 Menschen mit 400 Beamten.
2010: Stuttgart21-Protest und der „Schwarze Donnerstag“
Während der Proteste gegen den Tiefbahnhof der Deutschen Bahn in Stuttgart wurden immer wieder Bäume besetzt. Am „Schwarzen Donnerstag“ 2010 räumten hunderte Polizisten das Baufeld. Darunter auch 80 Baumbesetzer. Im Nachhinein stand die Gewalt gegen die Protestierenden in der Kritik.
Ab 2012: Bäume statt Braunkohle und die Besetzung des Hambacher Forsts
Während der medienwirksamen Besetzung des Hambacher Forsts formierte sich im Hüttendorf im Wald eine organisierte Bewegung. Klimaaktivismus und eine Energiewende standen im Vordergrund. Die Aktivisten forderten gesellschaftliches Umdenken und einen Wandel.
2019: Baumhäuser gegen eine Autobahn: Besetzung des Dannenröder Forsts
Im Mittelpunkt der Waldbesetzung im Dannenröder Forst stand die Kritik am Bau der Autobahn A49. Wie hier setzen sich viele Besetzungen der Gegenwart gegen Straßenbau und für eine Verkehrswende ein. Bei der Räumung entstanden große Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestierenden.
2020 bis heute: Baumbesetzungen werden zur Routine
Baumbesetzungen sind in Deutschland längst als medienwirksamer Protest für das Klima entdeckt. Nicht nur Wälder, sondern auch einzelne Bäume werden besetzt, um Bauvorhaben zu verhindern. So zum Beispiel im Ort Lützerath, der auch der Braunkohle weichen sollte und 2023 geräumt wurde. Samuel Bosch, Waldbesetzer im Altdorfer Wald, zählt aus dem stehgreif 25 aktive Wald- und Baumbesetzungen auf. An einigen war er bereits beteiligt. Die Internetplattform Wald statt Asphalt listet 39, von denen einige allerdings keine dauerhaften Besetzungen sind. Die Aktivisten sind vernetzt und profitieren von Aufmerksamkeit.

Umweltklagen: Auf dem juristischen Weg für die Natur
Die Gemeinden Baienfurt und Baindt beziehen ihr Wasser aus dem Altdorfer Forst. Auf Grundlage eines hydrologischen Gutachtens klagen sie nun gegen den Regionalplan, der das Gebiet als Vorranggebiet für Kiesabbau ausweist. Gegenüber dem zivilen Ungehorsam der Waldbesetzer gehen die Verwaltungen damit den legalen Rechtsweg. Der Altdorfer Wald ist neben seiner ökologischen Relevanz auch wichtig für die Trinkwasserversorgung in der Region. Aus den Weißenbronner Quellen bezieht der Zweckverband Wasserversorgung Baienfurt-Baindt sein Wasser. Die geplante Kiesgrube der Firma Meichle und Mohr liegt 40 Meter vom aktuellen Wasserschutzgebiet entfernt, das langfristig erweitert werden könnte, um weitere Menschen mit Trinkwasser zu versorgen. Die Befürchtung der Gemeinden Baienfurt und Baindt ist, dass das Wasser verunreinigt werden könnte. „Wir sind der Meinung, dass bei der Regionalplanung Aspekte der Geologie und der Hydrogeologie nicht ausreichend berücksichtigt worden sind. Wir halten den Klageweg für absolut lohnenswert“, sagte Baienfurts Bürgermeister Günter Binder der ‚Schwäbischen Zeitung bereits 2023, noch vor der Klage. Aktuell liegt die Klage am Verwaltungsgerichtshof des Landes in Mannheim für ein sogenanntes Normenkontrollverfahren. Dabei soll entschieden werden, ob bei der Ausweisung für den Kiesabbau wichtige Aspekte des Umweltschutzes und der Trinkwassersicherheit missachtet wurden.